«Diesen Fehler machen wir nicht»

Die BDP-Nationalrätin und Kauffrau Rosmarie Quadranti fährt selten Velo, wünscht sich aber dennoch mehr Velowege, damit insbesondere Kinder sicher unterwegs sind. Auch zur Reform der Firmensteuern hat sie eine klare Haltung, wie sie im Gespräch mit Nicole Soland erklärt.

 

Wann sind Sie letztmals im Kanton Zürich Velo gefahren?
Rosmarie Quadranti: Ich fahre nicht mehr so viel Velo wie früher, seit ich umgezogen bin: Heute sind es zu Fuss zehn Minuten zum Bahnhof oder zum Einkaufen. Früher war ich viel mit meinem Irish Setter unterwegs; diesen Hund kann man gut neben dem Velo herlaufen lassen. Doch heute habe ich einen Berner Sennenhund, und der ist dafür nicht geeignet.

 

Wie gut ist die Velo-Infrastruktur im Kanton, und was müsste man verbessern?
Die Schweiz ist ein Veloland, aber aus meiner Sicht als ehemalige Schulpräsidentin möchte ich daran erinnern, dass die Velo-Infrastruktur auch für die schwächsten VerkehrsteilnehmerInnen, die Kinder, sicher und gut zu benützen sein sollte. Das ist leider noch zu oft nicht der Fall: Wenn Velowege unvermittelt aufhören oder direkt in eine vielbefahrene Kreuzung münden, überfordert das die Kinder, und dann wird es gefährlich. Wir brauchen durchgehende Velowege, bei deren Bau zudem speziell darauf geachtet werden muss, dass sie auch für Kinder sicher sind. Natürlich müssen sie dann auch die Erwachsenen benutzen: Wenn mir als Autofahrerin Erwachsene begegnen, die auf der Strasse Velo fahren, obwohl es einen abgetrennten Veloweg hat, dann nervt mich das.

 

Auch ältere Kinder sollen künftig auf dem Trottoir Velo fahren dürfen: Ist das wirklich eine gute Idee?
Wo es noch keine durchgehenden Velowege hat, dient es der Sicherheit der Kinder. Aber die Kinder müssen wissen, dass sie auf dem Trottoir nicht die Schwächeren sind wie gegenüber den Autos auf der Strasse, sondern die Stärkeren. Sie müssen lernen, dass der Stärkere auf den Schwächeren, den Fussgänger, Rücksicht nehmen muss. Die spezielle Situation auf Trottoirs gilt es bei der Verkehrserziehung der Kinder zu berücksichtigen.

 

Der Kanton Zürich will für eine Milliarde Franken den Rosengarten-Autotunnel bauen, derweil die Jugend gegen den Klimawandel auf die Strasse geht: Sollte das Velo nicht das selbstverständliche Verkehrsmittel der Zukunft sein?
Die Schweiz ist ein Veloland, sie ist aber auch ein Autoland, und in der Vergangenheit hatte das Auto sehr viel Gewicht. Nur auf das Auto zu schiessen, ruft vor allem Widerstand hervor, und dadurch rücken gangbare Lösungen in weite Ferne. Mehr fürs Velo und den öV zu tun, ist nötig, aber es braucht auch noch Lösungen fürs Auto, insbesondere dort, wo es regelmässig Stau gibt. Auf dem Land hat es zum Beispiel oft keine Trottoirs, dort müssen Autos, Velos und FussgängerInnen auf der Strasse aneinander vorbeikommen. Das funktioniert nur, wenn man sich bewusst ist, dass alle drei gleichberechtigte, aber unterschiedlich starke Partner sind.

 

Wechseln wir das Thema: Die kantonale Reform der Firmensteuern kommt bei den Linken schlecht an. Was halten Sie davon?
Für mich gibt es keinen Grund, gegen die bürgerliche Position zu sein. Es handelt sich um einen Kompromiss, der für mich zurzeit stimmt. Ob er auch in Zukunft hält, was er verspricht, müssen wir dannzumal anschauen. Für den Moment bietet er Hand für das, was wir jetzt machen müssen.

 

Man kann aber Steuern für Firmen wie für natürliche Personen zu stark senken, siehe Kanton Luzern.
Man kann sich zu Tode sparen, aber diesen Fehler machen wir nicht: Bei den Firmensteuern ist im Kanton Zürich eine gute Lösung auf dem Tisch. Wenn es Probleme gibt, dann liegt der Fehler normalerweise darin, dass man nicht durchdacht hat, welche Auswirkungen das Schräubeln an einem Rädchen hat: Man sollte sich immer vor Augen halten, welche Teile sich ebenfalls bewegen, sobald man an einer Schraube dreht. Ist diese Auslegeordnung gemacht, heisst es, sich klarzuwerden, ob es noch für alle Beteiligten stimmt. Wenn man jedoch nur das macht, was der eigenen Klientel oder Ideologie nützt, dann kann es so herauskommen wie im Kanton Luzern. Stets das grosse Ganze im Auge zu behalten, ist denn auch eine zentrale Aufgabe in der Politik.

 

Was würden Sie als neue Regierungsrätin als erstes anpacken?
Zuerst einmal würde ich nie sagen, wir hätten eine schlechte Regierung: Dem Kanton geht es gut, der Regierungsrat als Gremium hat vieles gut gemacht. Ich würde auch nie von aussen die Arbeit des Regierungsrats kritisieren, denn ich sehe ja nicht rein. Doch es gibt Herausforderungen, die die neue Regierung anpacken muss: Ich will zum Beispiel keine Geschäftsfliegerei in Dübendorf, weder heute noch morgen. Die Qualität der Alters- und Pflegeeinrichtungen im Kanton ist unterschiedlich, und ich würde mich für eine gute Qualitätssicherung einsetzen. Die Zusammenarbeit mit Parlament und Bevölkerung sollte möglichst gut sein, nicht bloss möglichst effizient. Wo man mit Menschen zu tun hat, muss man sich stets fragen, was diese Menschen brauchen, um gut zu arbeiten, aber auch, was sie für Qualifikationen haben: Es sind nicht immer Fachleute nötig, es gibt auch Arbeiten, die weniger hoch qualifizierte und damit billigere Arbeitskräfte verrichten können.

 

Im Gemeinderat der Stadt Zürich wurde die Alterspolitik kürzlich ausführlich diskutiert: Wo sehen Sie Handlungsbedarf?
Weil heute mehr Leute zuhause statt in Alters- und Pflegeheimen leben wollen, müssen wir uns Gedanken machen, wie sie ihre sozialen Interessen trotzdem wahrnehmen können: Wenn Kindergärten zunehmend in die Schule integriert werden, könnte im ehemaligen Kindergartengebäude beispielsweise nicht nur eine Kita einziehen, sondern auch die Spitex. Wenn Alt und Jung einander im Alltag begegnen und zusammenleben können, ergibt sich möglicherweise sogar Sparpotenzial. Allerdings müssen wir uns auch stets bewusst sein, dass qualitativ hochstehende Systeme ihren Preis haben – und uns fragen, ob wir den zu zahlen bereit sind. Angesichts des knapper werdenden Raums gilt es zudem, genügend Freiräume für alle zu schaffen, sonst fühlen sich die Menschen bald wie Tiere in Käfigen.

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