von Ina Müller

Ärger vom Dienst

Was gibt’s Schöneres, als sich ab und zu so richtig deftig aufzuregen? Die Stirn in Zornesfalten zu legen, sich graue Haare wachsen zu lassen (aktueller Styling-Tipp!), volle Weingläser an die Wand zu schmeissen, hemmungslos herumzuschreien?

Frauen(t)räume

In den siebziger- und achtziger Jahren wurde es zur feministischen Selbstver-ständlichkeit, für Frauen öffentliche Räume einzufordern. In gemischten Gruppen über das Verhältnis der Geschlechter zu diskutieren, war ja extrem unerspriesslich.

Mycelien und Menschen…

Was ist das für ein schräges Pilzjahr heuer! Den Sommer durch wars so trocken, dass die Pilze geschlossen die Köpfe eingezogen haben. Nicht mal in meinem heimischen Wald war auch nur ein einziges dürres Eierschwämmli zu finden.

Vierhänder

Ich arbeite an einer neuen Stelle. Die Schule hat einen hohen Sozialindex, also ein eher aufwändiges Miteinander. In meinem ersten Wahlfach Werken für eine
3. Sek erscheint nur die Hälfte der Gruppe.

Sand im Getriebe

Der Postauto-Skandal gibt mir zu denken. Ist es vielleicht doch nicht möglich, Dienstleistungen des Service public gewinnbringend anzubieten? In anderen Branchen findet man zwar nicht unbedingt ausgewachsene Betrügereien, aber doch kreatives Ausreizen oder Umdeuten des Systems.

Feminismus – Prequel

Kürzlich hat mich auf Facebook einer gefragt, ob ich eigentlich «die Frauen» an und für sich sei oder wa-rum ich mir anmasse, für sie zu sprechen. Das möchte ich gerne hier coram publico beantworten.

Feminismus II

Am 1. Mai trugen in Zürich Feministinnen eine «rebellische Vulva» (ein madonnen-ähnlich gewandetes, übergrosses weibliches Genitale) im Umzug mit. Sie solidarisierten sich so mit Frauen in Spanien, die mit einer ähnlichen Prozession gegen ein Abtreibungsverbot und für sexuelle Freiheit demonstriert hatten. Ein intaktes Patriarchat in Form von Staat, Gerichten und Kirche sanktionierte sie prompt und hart wegen Verletzung religiöser Gefühle.

Dicke Fische

Ausgabe für Ausgabe erklärst du mir mit einer Männerüberlast von 80 bzw. 90 Prozent in Bild und Text die Welt; bashst Frauen, Gutmenschen und alles links der SVP, huldigst Trump in einer eigens eingerichteten Kolumne und hudelst wenig diskret da und dort dickes Lob auf big Mr. B. – Ziehvater deines Verlegers und Chefredaktors.

Landnahme-Perlenkette

Die Arbeiterklasse zog ab den 1960er-Jahren aus dem Kreis 4 weg, da sie dank dem Strukturwandel aufgestiegen war und sich ein Häuschen auf dem Land leisten konnte; Ärmere, hauptsächlich Zugewanderte zogen ein; Sexgewerbe, Drogen- und Partyszene breiteten sich aus und vertrieben weitere zahlungskräftige Familien durch Lärm und Schmuddel (Pariser auf dem Spielplatz, Kotze im Hauseingang, Pipi-Pfützen auf dem Trottoir, blutte Frauen in Schaukästen sind auch für Szenis nicht unbedingt ein Wunschumfeld für ihren Nachwuchs …)

Heimat-Los

Während nun das kapitalistische System mit Konzernmacht und Rüstungsgütern laufend Heimaten zerstört, Menschen entwurzelt und Land nimmt, befeuert es in den gesättigten Märkten einen neurotischen Konsum: Wir sollen nirgendwo ankommen und auch gar nicht befriedigt zur Ruhe kommen, sondern immer wieder aufbrechen, nach immer neuem Begehren streben, uns immer neu erfinden.