von Andrea Sprecher

Stillende Freiheit

Das wird jetzt schwierig. Aber fangen wir einmal so an: Ich möchte mein Kind nicht an meinem Arbeitsplatz stillen. Denn das ist nicht die Freiheit, die ich meine. Dabei hat mich beeindruckt, was Chantal Galladé damals tat, als sie als Erste ihr Kind mit an die Session nahm, mich beeindruckt, was Larissa Waters tat, die…

Love my life

Ich bin so ein Totsch, dachte ich. Ich stand in der Küche und kratzte die Käsereste aus dem Caquelon. Ich wollte nämlich eine Diät machen. Kurz nachdem ich den Entscheid gefällt hatte, kam mir aber ein Landjäger dazwischen, den ich im Kühlschrank vergessen hatte. Dann die blöden Restsüssigkeiten von Halloween.

Nicht wahr?

Frankreich jubelt, allen voran Emmanuel Macron, der den jungen Mann offiziell empfängt und ihm die Staatsbürgerschaft und eine Stelle bei der Feuerwehr verspricht. Denn dieser junge Mann ist nun kein gebürtiger Franzose, sondern ein sogenannter Wirtschaftsflüchtling aus Mali. Seit 2013 von zuhause weg, als Bootsflüchtling in Italien gestrandet und nun in Paris angekommen, wo er bei seinem Bruder lebt. Mamoudou Gassama ist ein illegaler Einwanderer. Einer von so vielen, die in Frankreich und auch bei uns leben und deren Namen, Gesichter und Geschichten wir weder kennen noch sehen wollen.

Unschuldig frei

Es ist furchtbar falsch. Ich weiss das so genau, wie ich seit Jahrzehnten nicht weiss, wie ich es ändern könnte. Bis es mir vielleicht einfällt, mache ich es nun so wie Elena Ferrante: «Ich weigere mich aus Prinzip, schlecht über eine andere Frau zu sprechen, selbst wenn ihr Verhalten inakzeptabel, verletzend oder ärgerlich war. Der Grund für meine Haltung ist, dass mir die Situation von Frauen dieser Welt bewusst ist.

Wir haben nichts gesagt

Ich zähle 2 Menschen zu meinem engeren Bekanntenkreis, die nicht selten homophobe, antisemitische und sexistische Sprüche oder vermeintliche Witze machen. Der ist halt so, heisst es dann und man schüttelt äs bitzeli den Kopf. Mehr nicht. Ich habe keinen von denen jemals vor die Tür gestellt. Und jedes Mal, wenn ich es nicht tue, dann ist es genau so, als würde ich ihnen einen Preis überreichen.

Wahlfreiheit

Verschiedene Artikel von Frauen über Frauen oder die Rolle der Frau oder Feminismus oder Ähnliches verärgern mich in letzter Zeit zunehmend. Es gibt zwei Gründe.

Daheim

Schon früh verliess ich das Wahlfest. Während ein paar wenigen Metern hörte ich noch die bekannten und vertrauten Stimmen der Menschen, die vor dem Volkshaus standen und freudig und aufgeräumt diskutierten. Dann wurde es stiller. Aber die Vertrautheit blieb, denn ich lief durch meine Stadt, die gerade sehr laut und sehr deutlich Ja gesagt hatte zu einer Politik der Offenheit und Grosszügigkeit allen Menschen gegenüber. Ich war daheim, noch lange bevor ich die Haustür hinter mir zuzog.

FOCJ

Das Gute an der Solidarität wäre ja unter anderem auch, dass man, um sie gut zu finden, gar kein besonders guter Mensch sein muss. Solidarität ist beispielsweise auch etwas für jene, die, sagen wir, völlig egoistisch veranlagt sind.

Lass sie reden

Lass sie reden. Alle. Die, die ich gut finde und alle anderen ebenso. Von links bis rechts. Von Trump über Petraeus bis zu den Tibeterinnen. Lass sie reden.

Versöhnliche Bindung

Die neuesten Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie werden einem in schöner Regelmässigkeit in Tageszeitungen und auf Social Media serviert. Dort sagt man mir und meinem Mann und allen Eltern, wie man das richtig macht, diese Erziehung. Kinder soll man nämlich ganz viel loben, steht da, einfach nicht im falschen Moment.