2000 Quadratmeter

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Weizen, Mais, Reis und Soja: Was wird weltweit angebaut und wozu? In Nuglar wird die weltweite Ackerproduktion auf einer überschaubaren Fläche von 2000m2 abgebildet.

 

 

Von Jasmin Schraner*

 

 

Eine solothurnische Landzunge, die tief ins Baselbiet hineinragt: Dort liegt das idyllische Dorf Nuglar, umgeben von Obstbäumen. Liestal ist von hier aus zu Fuss erreichbar, Basel in wenigen Autominuten. In vielerlei Hinsicht ist Nuglar ein typisches Dorf mit seiner Schützengesellschaft und der Alphorngruppe ‹Enzian›. Gleichzeitig ist das Solothurner Dörfli ein Hotspot der alternativen Landwirtschaft.
Auf einer 2000m2 grossen Fläche entsteht hier der erste ‹Welt­acker› der Schweiz. 2000m2 entspricht der Fläche, die jedem Menschen rechnerisch zusteht, wenn man die weltweite Ackerfläche durch die Anzahl Menschen teilt. Zum Vergleich: Auf 2000m2 könnten etwa 300 Autos parkiert werden, oder zwei 50m-Schwimmbecken mit je acht Bahnen Platz finden.
Auf dem sogenannten Weltacker sollen die Mengenverhältnisse der globalen Landwirtschaft erfahrbar werden. Pflanzen werden hier im gleichen Verhältnis angebaut, wie sie weltweit auf Äckern vertreten sind. Wer bei Landwirtschaft an Gurken und Tomaten denkt, wird sich wundern: Auf der Hälfte des Feldes wachsen die grossen Monokulturen Weizen, Mais, Reis und Soja, unter anderem als Futterpflanzen für Nutztiere. Gemüse macht einen vergleichsweise winzigen Teil aus.

 

 

 
Hier gedeihen auch Fragezeichen
Wer sich den Weltacker anschaut, mit den eigenen Konsumgewohnheiten im Hinterkopf, stellt sich fast schon automatisch Fragen: So viel Mais und Soja für einen einzigen Menschen? Soviel Anbaufläche pro Person und trotzdem leiden Menschen Hunger? Beanspruchen alle Menschen auf der Welt gleich viel Anbaufläche? Welchen Einfluss habe ich selber auf die globale Landwirtschaft?
Und genau das ist das Ziel des Bildungsprojekts: Dass sich KonsumentInnen Fragen stellen. Beantwortet werden sie durch Informationsposten zu einigen dringenden Themen der globalen Landwirtschaft. Saatguthandel etwa, Graue Energie oder Food Waste. Jenny Stuber, eine der Koordinatorinnen des Schweizer ‹Weltackers›, erklärt: «Wir geben den Besuchern Fragen mit auf den Weg. Unterwegs können sie an den verschiedenen Themenposten Informationen sammeln und sich am Ende selbst ihre Gedanken dazu machen.» Die Zielgruppe ist breit gefasst, es werden verschiedene Module für verschiedene Bedürfnisse angeboten. Spannende Angebote wird es unter anderem für Schulklassen geben, Nuglar könnte bald zur beliebten Schüler­Innenreisli-Destination werden.

 

 

 
Weltweites Projekt
Das Projekt 2000m2 wurde von ‹Zukunftsstiftung Landwirtschaft› initiiert, der erste ‹Weltacker› ist in Berlin entstanden, inzwischen gibt es das Projekt in Syrien, der Türkei, Kenia, China, Schottland und Schweden. In der Schweiz wird das Projekt von den ‹Nuglar Gärten› realisiert. Der Verein ‹Nuglar Gärten› wurde vor vier Jahren gegründet, unter anderem, um ein Ernteabo anzubieten, seit letztem Jahr können Menschen aus der Umgebung wöchentlich landwirtschaftliche Erzeugnisse im Abo beziehen. Nun kümmert sich die Gruppe zusätzlich um das Projekt 2000m2. Eine Gruppe aus 20 Leuten hat Infotafeln erarbeitet und bepflanzt den Acker mit bis zu 40 Kulturen.
Der sogenannte Weltacker dient zwar primär der Veranschaulichung, die Ernte wird aber genutzt und entweder auf die Ernteabos verteilt oder im Rahmen von 2000m2-Workshops weiterverarbeitet. Was allerdings nicht bedeutet, dass im Gemüseabo der ‹Nuglar Gärten› neuerdings auch Kokosnüsse oder Orangen enthalten sind. Was in Solothurn auf fast 500 m.ü.M. schlecht gedeiht, wird auf dem ‹Weltacker› durch Pflanzen aus der gleichen Kategorie ersetzt. Bei den sogenannten Ölsaaten werden etwa Sonnenblumen oder Raps statt Ölpalmen angebaut. Der erste Schweizer ‹Weltacker› eröffnet am 6. Mai.

 

 

*Jasmin Schraner ist Teil der Kommunikations- und Bildungsgruppe des Projekts 2000m2.
http://nuglargaerten.ch/2000m2

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